Aus 600 Kilometern Entfernung sollte Lisa ihre beste Freundin als Trauzeugin unterstützen. Ihre Pflichten, Ängste und Herausforderungen – und Tipps, wie es auch aus der Ferne klappt.
Auch aus der Ferne kann man eine gute Trauzeugin sein. Die typischen Pflichten – die Braut unterstützen, den Junggesellinnenabschied mitplanen, bei der Brautkleidsuche beraten und am Hochzeitstag zur Seite stehen – lassen sich zu einem großen Teil per Sprachnachricht, Videoanruf und mit einer Helferin vor Ort erledigen. Wichtig sind Ehrlichkeit darüber, was man leisten kann, und eine rechtzeitige Anreise vor der Hochzeit.
Als ich vor einem guten Dreivierteljahr gefragt wurde, ob ich Trauzeugin einer meiner besten Freundinnen werden möchte, sagte ich sofort Ja. Ich dachte mir nichts dabei, dachte nicht über meine Pflichten nach und war der Meinung, irgendwie eh alles zu schaffen. Da sie in meiner Heimat, dem kleinen Städtchen Birkenfeld, wohnte und ich in meiner neuen Heimat Salzburg, war diese Aufgabe von Anfang an nicht die einfachste.
Man unterstützt das Brautpaar, so gut man kann, plant den Junggesellinnenabschied, hilft bei der Brautkleidsuche, besorgt alle Dinge, die vergessen werden, und ist für die Braut Unterstützung, Gedächtnis, innere Ruhe und Trost, wenn alles schiefläuft. Ausführlich findet ihr die Aufgaben in unseren Tipps für die perfekte Trauzeugin. Aber wie soll das mit einer Distanz von über 600 Kilometern gehen? Es war fast unmöglich, dank WhatsApp aber machbar. Wir schickten uns Millionen Sprachnachrichten und Tausende Fotos, und ich war irgendwie doch immer dabei.
Zum Glück gab es die Freundin des zweiten Trauzeugen, die ebenfalls mit der Braut befreundet ist. Sie war die Unterstützung vor Ort und organisierte den Junggesellinnenabschied, der leider ohne mich stattfand. In der Vorbereitung plagte mich sehr oft mein Gewissen: Als Trauzeugin muss man doch vor Ort sein, abends mit Sekt und Pizza auf der Couch sitzen und das Internet durchforsten. Spätestens bei der Brautkleidsuche fühlte ich mich wirklich schlecht. Doch die Braut nahm mir das schlechte Gewissen und bezog mich komplett mit ein. Sie schickte mir fleißig Bilder und fragte nach meinem Rat.
Als sie ihr Kleid hatte, war sie die glücklichste Person der Welt – sie dachte, es sei ihr Kleid! Ich dachte, wenn sie glücklich ist, bin ich es auch. Nach und nach merkte ich aber, dass sie immer trauriger wirkte, wenn sie über das Kleid sprach. Immer gab es etwas, das sie störte. Also fasste ich mir ein Herz und sagte ihr, dass ich sie nie in so einem Schnitt sehen würde und dass das für mich keinesfalls ihr Kleid sei. Danach waren wir beide glücklich: ich, weil ich es losgeworden war, und sie, weil sie Zuspruch bekam. Schnell wurde ein neues Traumkleid gesucht, und es war perfekt! Nicht zu verschweigen: Es waren nur noch vier Wochen bis zur Hochzeit.
Wir redeten und schrieben täglich, bis ich endlich zwei Tage vor der Hochzeit heimfuhr – zu ihr fuhr, zu meinen Pflichten als Trauzeugin fuhr. Ich war so unendlich froh, vor Ort zu sein, mit anzupacken und endlich meinen Job als Trauzeugin machen zu können.
Am Tag vor der Hochzeit lief der Countdown. Wir erledigten morgens GEMEINSAM Kleinigkeiten und warteten auf den Schlüssel für die Halle. Und dann kam sogar ich in Hochzeitsstimmung. Wir dekorierten GEMEINSAM stundenlang, bauten alles auf und richteten die Kirche her. Endlich GEMEINSAM. Irgendwie wirkte alles so unwirklich. Mit keinem Menschen hatte ich in meinem Leben mehr übers Heiraten gesprochen als mit ihr – und morgen sollte es so weit sein?
Der Hochzeitstag war erstaunlich entspannt! Ich war tausendmal aufgeregter als die Braut. Beim Friseur weinte ich, beim Anziehen des Kleides weinte ich, und auf dem Weg in die Kirche war ich wieder kurz davor. Ich huschte vor ihr in die Kirche und setzte mich weinend neben den anderen Trauzeugen. Ich war noch nie in meinem Leben so gerührt. Dann sah ich den Bräutigam, und es war um mich geschehen. Es war eine wunderschöne Trauung mit einzigartigen Momenten.
Danach kamen endlich meine richtigen Trauzeuginnen-Pflichten: Kleid richten, beim Fotoshooting auf alles achten, beim Toilettengang helfen. Ich kümmerte mich um Gäste, die noch keinen Anschluss gefunden hatten, und um Familie und enge Freunde. Und alles war perfekt!
Ich glaube, auch mit Tausenden Kilometern Entfernung kann man eine gute Trauzeugin sein, wenn man mit Herz dabei ist und das Brautpaar Verständnis hat. Diese Tipps hätte ich mir am Anfang gewünscht:
Noch mehr Lesestoff: Sissi erzählt in einem sehr persönlichen Beitrag, wie sie ihre Aufgaben als Trauzeugin trotz 300 Kilometern Entfernung gemeistert hat. Ideen für das Programm findet ihr bei unseren Hochzeitsspielen, und was ihr kurz vor der Hochzeit auf keinen Fall tun solltet, lest ihr in diesem Beitrag.
Ja. Mit regelmäßigem Kontakt, einer Helferin vor Ort und ein paar gut geplanten Besuchen klappt das sehr gut.
Recherche, Moodboards, Playlist, Spiele, Hochzeitsrede, Gästeliste und die Abstimmung mit anderen Helfern – vieles davon funktioniert online.
Am besten ein bis zwei Tage vor der Hochzeit, damit sie beim Aufbau und bei den letzten Vorbereitungen helfen kann.
Dann übernimmt eine Freundin vor Ort die Organisation, und ihr steuert aus der Ferne Ideen, Spiele oder eine Videobotschaft bei.
Beitragsbild: Julia Basmann Photography

Die perfekte Trauzeugin: Aufgaben, Tipps und 4 No-Gos

Die Hochzeit, die Trauzeugin, die Zeit

Hochzeitsspiele: Ideen, Klassiker und Tipps für mehr Spaß

Trauzeugin oder Brautjungfer fragen: Ideen für Karte, Box und Sprüche

Aufgaben der Brautjungfern: Was Brautjungfern vor und am Hochzeitstag tun

Dankeschön für die Trauzeugin: 5 persönliche Geschenkideen mit Herz

Junggesellinnenabschied: JGA-Ideen für Frauen, Spiele & Planung

Trauzeugen: Aufgaben, Pflicht & alles, was ihr wissen müsst
Zuletzt aktualisiert am 02.11.2026