Ein Gastbeitrag, den man unbedingt gelesen haben sollte – hier dreht sich alles um die Kosten für den Hochzeitsfotograf: Manchmal erhalten wir (ich spreche hier von mir als Hochzeitsfotograf) Anfragen von Hochzeitspaaren, die bei unseren Preisen für eine Hochzeitsreportage leicht zusammenzucken und die Augen rollen, verhandeln möchten oder sich einfach umschauen wollen. Ob die Preise immer so fair sind wie man annimmt oder ob alles nur eine große Blase ist und die Fotografen einfach nur verrückte Preise machen… Lest selbst, wie ein Hochzeitsfotograf seine Preise kalkuliert bzw. was ein Hochzeitsfotograf kostet.

Wie viel kostet ein Hochzeitsfotograf für eine Ganztagesreportage? Warum ist das oft so teuer?

Manchmal sieht man einfach nur die Zahl und die Anzahl der Stunden und rechnet runter. Das ist aber falsch. Die Anzahl der (anwesenden) Stunden ist nur ein kleiner Teil des Eisbergs und um die Leistung eines Hochzeitsfotografen für Paare transparenter zu machen, möchten wir Euch gerne beispielhaft darstellen, wie die Preise für Hochzeitsreportagen (in diesem Beispiel eine 10 Stunden Reportage) zustandekommen. Bitte nehmt nicht jedes Wort so ernst und legt nicht jede Bemessung auf die Waagschale. Das sind Durchschnittswerte aus meinem Erfahrungsschatz.

Eine Hochzeitsreportage für 10 Stunden an einem Wochenende für beispielsweise 2.300€

(An dieser Stelle werden sich sicher viele denken: 2300 Euro für 10 Stunden? Das sind ja über 200 Euro pro Stunde. Das verdien ich in 5 Stunden nicht, was der in einer Stunde von uns will…. Ja, aber so leicht ist das Ganze nicht!)

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Welcher Arbeitsaufwand steht HINTER einer Reportage – also zusätzlich zur Präsenzzeit (es handelt sich um Durchschnittswerte!)?

  • 1 Stunde Mailverkehr nach der Anfrage. Es folgen Telefonate mit euch & Terminsuche für das Vorgespräch und Check der Verfügbarkeiten
  • 1-2 Stunden Vorgespräch
  • 0,5 Stunde für Angebotserstellung, Buchung, Auftragsbestätigung & Hochzeitsvertrag
  • 3 Stunden das Engagement Shooting (vergesst nicht An- und Abfahrt)
  • 2 Stunden für die Bearbeitung der Bilder des Engagement Shootings & Bereitstellung in einer Galerie
  • 1 Stunde für einen Locationcheck
  • 2 Stunden An- und Abfahrt zu eurer Hochzeit
  • 10 Stunden Hochzeitsreportage am Hochzeitstag 
  • 5 Stunden durchforsten und hochladen hunderter Fotos, Backups & Selektion
  • 20 Stunden Bearbeitung der 500 selektierten Fotos
  • 2 Stunden für das Hochladen der Daten auf USB-Stick, Verpackung dafür vorbereiten und auch vorher überlegen, eine Online Galerie für euch erstellen und dort die Bilder hochladen und die Rechnung fertig stellen.

Ergebnis: rund 48 Stunden Arbeit für 10 Stunden Hochzeitsreportage und mindestens 500 Fotos für Euch. Das ergibt einen Stundenlohn von ca. 48€ brutto.

Weitere Überlegungen – wie kommt dieser Preis für den Hochzeitsfotograf zustande, was muss man noch berücksichtigen

Ein Hochzeitsfotograf kann nicht das Ganze Jahr über gebucht sein. Das ist quasi unmöglich. Gehen wir davon aus, dass die meisten Paare im Sommer heiraten – also von Mai bis Oktober. Also rein rechnerisch beträgt die Saison 24 Wochenenden, an denen man Hochzeiten fotografieren kann.

Wenn man sehr viel Glück hat und die Sache mit dem Marketing richtig gut hinbekommt, ist davon jedes Wochenende mit einer zehnstündigen Hochzeitsreportage gebucht. An 10 Wochenenden ist möglicherweise auch noch der Freitag gebucht – das ist sehr unwahrscheinlich – aber wir nehmen es mal an.

Das wären insgesamt 34 Reportagen á 2.300€, also zusammen rund 78.000 € Umsatz.

Von diesem Stundenlohn von 48€ müsst ihr aber bedenken, dass wir auch noch Dinge kaufen und bezahlen müssen, so wie jeder andere Mensch, der arbeitet:

  1. Miete und Auto
  2. 2 performante Rechner zur Bildbearbeitung, 2 kalibrierte Monitore, 1 Backup-Server
  3. Software zur Bildbearbeitung
  4. Online Galerie (Dropbox oder Ähnliches)
  5. performancestarke PC´s, Monitore, Festplatten, USB Sticks,…
  6. Marketing und Werbung
  7. den Betrieb der Webseiten
  8. Abos, Fachliteratur, Workshops & Weiterbildung
  9. Versicherungen & Steuern
  10. hin und wieder mal einen kleinen Urlaub
  11. Kaffeevorräte ;-)

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„Wow!“, höre ich Euch sagen, „Nicht schlecht“.

Abzüglich Steuern landet ein ideal ausgelasteter Hochzeitsfotograf, der von Mai bis Oktober ohne Wochenende und Urlaub durcharbeitet, bei etwa 49.000€ netto Einnahmen, aus denen noch  Alters- und Krankenversicherung bezahlt werden und der Lebensunterhalt finanziert wird. Im Winter führt ein vorbildlicher Fotograf Vorgespräche mit Hochzeitspaaren für das kommende Jahr, betreibt Akquise für Neukunden, shootet ein paar freie Arbeiten um das Portfolio zu erweitern, setzt Ideen mit Partnern um, macht bei Coachings mit oder gibt welche und Weiterbildungen, Steuerklärungen sollte man auch noch machen… und man aktualisiert und befüllt Webseite & Blog mit den Projekten und Shots. 

Aja, und krank werden! Das sollte man vermeiden,..

Hobby Fotograf = schlechte Arbeit? Warum schwanken die Preise? Günstiger Fotograf für die Hochzeit?

Weil sie nicht immer alles im Hintergrund dazu rechnen, zusätzlich zur Hochzeitsfotografie noch andere Aufträge haben, oder nicht davon leben müssenViele Hochzeitsfotografen machen dies nebenberuflich, oft als Kleinunternehmer oder als Hobby, womit sie sich etwas dazuverdienen.  Manche können auch möglicherweise nicht rechnen und sind nach kurzer Zeit wieder vom Markt verschwunden, z.B. weil bei der ersten kaputten Kamera das Geld für eine Neue fehlt oder sie merken, dass sie für 10 Stunden Hochzeitsreportage tatsächlich fast 50 Stunden arbeiten müssen. Und manchmal entspricht ein niedriger Preis eben leider auch der abgelieferten Arbeitsqualität…

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Es gibt aber auch viel teurere Fotografen! Da sind 2.300 Euro ja noch „günstig“ gegen dein Ein oder die Andere,…

Stimmt! Auch in der Hochzeitsfotografie gibt es Fotografen, die ‚outstanding‘ sind, denen ihr Ruhm vorauseilt, die viele nationale & internationale Auszeichnungen erhalten und die noch viel höhere Preise abrufen können, oftmals das 2-4fache.

Oftmals steht dahinter extrem viel Erfahrung, eine ganz außergewöhnliche Bildsprache und häufig einfach ein Künstler mit ganz eigener Anmutung und Stil – und diese außergewöhnlichen Merkmale sollten entsprechend honoriert werden.

Die Zeit, die ein Hochzeitsfotograf kalkuliert, ist Zeit für euch und euren großen Tag und eure persönliche Betreuung. Es geht darum, euch eine tolle Arbeit abzuliefern, die euch begeistert – und für die Fotografenseite, wie auch für euch eine Bereicherung und Freude ist. Ich hoffe ich konnte euch eine Antwort auf die Frage „Was kostet ein Hochzeitsfotograf?“ geben. Jedenfalls ihr nun, wie ein Hochzeitsfotograf seine Preise kalkuliert.

_MG_0255 - Shooting Patrick - 2016-09-26 - Hochzeitsfotos Patrick Engel_

Verfasser des Textes: Patrick Engel (Wedding Photos – www.engelfotografie.com) -> Wir danken Matthias Fischer von Bruno liebt Lotte für die Inspiration zu diesem Thema.

Bilder im Beitrag und Beitragsbild von Herzflimmern aus unserem Bachelorettepartyshooting.

41 KOMMENTARE

  1. Prima geschrieben! Vielen Dank dafür! 👍🏼
    Allerdings taucht der Punkt „Weitere Überlegungen“ zweimal auf und in der Auflistung für was man sonst alles noch Geld braucht, gleichen sich die Punkte 2 und 5. 😉

  2. Soory, kann ich nicht nachvollziehen.

    Suche Job
    selbstständig Arbeit
    Jahresgehalt von 80TEuro
    .incl. Firmenwagen und
    2 Monate Urlaub im Jahr

    kann man auch schreiben.

    Nee Soory 2300 ist zu viel.

        • Das ist im Internet ziemlich üblich, also das Duzen. Muss man mit klar kommen ;-). Wenn man dann noch ausschließlich mit seinem Vornamen kommentiert, darf man sich nicht wundern.

          Um auf deine Bitte einzugehen: der Firmenwagen wird von dem Jahresgehalt (das übrigens keines ist, da Selbstständige kein Gehalt beziehen) bezahlt, die Leasingraten, Barzahlung oder wie auch immer das Fahrzeug finanziert wird, geht direkt vom Konto des Fotografen runter. Von diesen 80.000 € gehen in der Regel schon einmal die Umsatzsteuer runter, die liegt aktuell bei 19 %. Dann muss davon ein ganzer Haufen an Versicherungen bezahlt werden: Krankenversicherung (und die privaten sind echt nicht billig), sinnvollerweise eine Diebstahlversicherung für das Equipment, gewerbliche Haftpflichtversicherung etc. Dann kommt die Einkommenssteuer, die natürlich ebenfalls davon abgeht. Ja, einige dieser Abgaben haben auch Angestellte, aber eben auch nicht alle und gerade die KV ist i.d.R. bei Angestellten deutlich günstiger.

          Das Equipment, das bei einigen Fotografen locker 10.000 – 20.000 € kostet, zahlt er auch selbst. Kameras, Blitze etc. halten nicht ewig und müssen, je nach Nutzungsgrad, regelmäßig ausgetauscht werden. Viele Fotografen haben außerdem alles im Doppelpack, um einem Ausfall während einer Hochzeit vorzubeugen. Auch der erforderliche Rechner ist nicht für 300 € beim Discounter erhältlich und muss regelmäßig aktualisiert werden, um den immer größer werdenden Datenmengen gerecht zu werden.

          Ein weiteres Problem, das Selbstständige haben ist Krankheit. Wer krank ist, verdient kein Geld, und säumige Kunden, die ihre Rechnung nicht begleichen. Es ist leider nicht unüblich, dass Rechnungen einfach nicht bezahlt werden. Ab einer gewissen Summe lohnt Inkasso, aber bei kleineren Aufträgen ist das meist wirtschaftlicher Unsinn. Und selbst wenn Inkasso eingesetzt wird, kostet auch das wieder Geld.

          Dann kommen Weiterbildungen hinzu, die der Selbstständige ebenfalls aus eigener Tasche zahlen muss und während dieser er natürlich kein Geld verdienen kann.

          Ich hoffe, das war Erläuterung genug.

          Kleine Bemerkung noch am Rande: es heißt sorry, nicht soory..

  3. Und jetzt….? Eine Runde Mitleid? Andere müssen auch hart für ihr Geld arbeiten! Eine Hochzeit kostet tausende Euro für EINEN Tag. Und die Vorbereitungen und Kosten beginnen ebenfalls lange vor dem Fest. Da wird eine gewisse Skepsis und ein Preisvergleich wohl erlaubt sein.

    • Erwartet jemand Mitleid? Habe ich so nicht verstanden. Worum es geht ist eher Verständnis. Aber nicht mal das brauchen Sie aufbringen. Sie sollten statt gdessen lieber zum Hobbyknipser gehen und dann mit dem zufrieden sein, was Sie dort bekommen. Auf Ihrer Hochzeit gibt oder gab es ja bestimmt auch Würstchen mit Kartoffelsalat und Musik über zwei kleine Bluetoothlautsprechern. Man bekommt wofür man bezahlt – darum geht es.

    • Hier bittet doch niemand um Mitleid. Hier wird nur versucht zu erläutern, wie diese Preise zustande kommen. Legitim und sinnvoll.

    • Ich arbeite Monatlich wesentlich mehr Stunden. Meine körperliche Arbeit is auch wesentlich schwerer. Wochenende muß ich auch öfter arbeiten.Arbeite Schicht. Und….und ….und.
      Aber von so einem Stundenlohn wage ich nicht mal zu träumen. Es gibt sehr viel härtere Berufe. Wow….Werde wohl auf Fotograf umschulen. Geld verdienen leicht gemacht

    • Bei welchem Dienstleister bekommt man denn eine vollständige und transparente Auflistung aller Kosten, die in den Preis mit eingerechnet sind? Wenn ich mein Auto aus der Werkstatt hole, steht da auch nur, dass pro Stunde 80 € in Rechnung gestellt werden. Wieso der Stundensatz bei 80 € liegt, erzählt mir dort niemand.

  4. Der Artikel zeigt allerdings, dass 90% der Fotografen auf den Preis der Reportage Anfahrtskosten und „sonstige Extras“ zusätzlich berechnen! Demnach finde ich es weitaus übertrieben 48€ brutto/Stunde zu verlangen.
    Ich bin selbst Dienstleister (nicht Fotograf, aber auch im Hochzeitsbusiness) und bekomme immer wieder erstaunte Gesichter zu sehen, warum das so teuer ist und mein Stundenlohn liegt bei 15€/Stunde. Was ich schon als Außenstehender viel finde im Vergleich zu anderen Berufen, die durchaus genauso hart arbeiten müssen.

    • Von den 48€ brutto/Stunde fallen noch Umsatzsteuer, alle betrieblichen Ausgaben, Sozialversicherungsbeiträge und Lohnsteuer weg. Unterm Strich bleibt dann ein Bruchteil vom Brutto übrig.
      Verdienen Sie die 15€/Stunde als Selbständige? Falls nein, sollten Sie das Selbständigen-Brutto besser nicht mit Unselbständigen-Brutto vergleichen, weil das einfach nicht zu vergleichen ist. Falls ja, würde ich mich nochmal ans Kalkulieren machen…

    • Als Selbstständiger 15 € die Stunde zu verlangen ist der sichere Weg in den Ruin. Das geht dann auch ziemlich schnell.

  5. Das Gute an der Fotografie ist ja, man hat viel Auswahl… Wenn ich mir die Leistungen mancher „Hobbyfotografen“ ansehe liegt das mindestens auf dem Level einiger Profis (die ja nicht eben selten auch „nur“ Autodidakten sind). Schaut man im weiteren Bekanntenkreis herum kennt immer einer einen der einen kennt… Niemals würde ich um die 2000€ / Hochzeitsfototag hinblättern. Wenn der Profi entsprechend gut ist, wird das sicher wer tun, aber wenn ich für 1/3 des Preises eine Hochteitsreportage ähnlicher Qualität von einem Amateur bekommen kann (und das geht, schaut mal das Level in manchen Amateurcommunities an) gibt es keinen Grund dafür.

    • Es gibt sehr gute „Amateure“ und schlechte „Profis“, keine Frage. Wenn ich mir die Fotos anschaue, die einige professionelle Fotografen produzieren finde ich 2.000 € für eine Reportage aber durchaus gerechtfertigt. Bei anderen wiederum sind 1.000 € schon fast zu viel. Andersherum verkauft sich so mancher Amateur deutlich unter Wert, wenn er eine ganze Reportage für 500 € macht. Das Wort „nie“ finde ich an dieser Stelle zu drastisch, da man bei einigen Fotografen auch einen wirklichen Gegenwert für das Geld bekommt. Und ob der Fotograf gut ist, kann man ja schon vorher anhand seines Portfolios rausfinden …

  6. Vielen Dank! Auf den Punkt gebracht.
    Ich habe die letzte Zeit genau diese Erfahrungen gemacht.
    Man entwickelt sich, zieht etwas an der Preisschraube und schwub muss man „argumentieren“, warum die Preise so hat wie man sie hat.
    Ein erfolgreiches Fotografen Pärchen hat einmal gesagt: „…das sie solche Kunden gar nicht haben wollen.“ Im ersten Augenblick erschien mir das als arrogant, aber unterm Strich trifft es das schon auf den Punkt. Keiner muss seine Preise rechtfertigen. Zumal ich der Meinung bin, dass nunmal die Bilder für den Fotografen sprechen sollten. Und wenn der Kunde nicht bereit ist, diesen Preis zu bezahlen, auch wenn ihm die Bilder gefallen, dann geht er zu jemand anderen. Ob er da glücklicher ist, wird sich erst nach dem Auftrag rausstellen.
    Aber vielen Dank, sehr guter Artikel und ich hoffe, das der ein oder andere Skeptiker der manch einen Fotografenpreis anzweifelt, diesen auch mal verinnerlicht.

  7. 48€ in der Stunde hätte ich auch gerne als Freiberufler.
    Vieles geschriebene ist meiner Meinung nach stark übertrieben.
    Eine gewisse Arroganz ist den „Hochzeitsfotografen“ auch nicht abzusprechen.

    • Dann wechsle die Branche ;-). Als ich noch selbstständig war, lag mein Stundensatz bei 70 € Wenn mein Arbeitgeber jetzt meine Dienstleistung beim Kunden abrechnet, werden 120 € die Stunde fällig. Alles natürlich zzgl. USt, was bei Hochzeitsfotografen vermutlich nicht der Fall ist, da sie ja primär mit Privatleuten zusammen arbeiten.

      Auch andere Fotografen verlangen ähnliche Sätze.

  8. Vielen Dank für Eure Kommentare.
    Mir ist bewusst, daß das Thema polarisiert, aber ich finde das gut, weil man es dann auch diskutieren kann und ich auch kontroverse Meinungen ernst nehme und sehr interessant finde.
    Jeder Kunde entscheidet natürlich selbst darüber, wieviel er für eine Leistung ausgeben möchte – mich eingeschlossen.

    Seit ich selbständig bin findet eine Verschiebung meiner Sichtweise statt: Ich erkenne zunehmend die Leistung anderer, die hinter einer Dienstleistung / einem Produkt steht und sehe nicht alleine vordergründig den Preis.

    • Ich glaube, man muss mal selbstständig gewesen sein um zu verstehen, was wirklich hinter einer Dienstleistung steckt. Auf den ersten Blick klingen 50, 60, 70 oder noch mehr € pro Stunde nach Wucher, aber wie ich Lars weiter oben schon versucht zu erklären habe steckt da halt noch einiges mehr hinter. Auch Kommentare à la „ich verdiene 15 € die Stunde im Dienstleistungssektor“ zeugen nicht gerade davon, dass man den Unterschied zwischen der Arbeit als Angestellter und der als Selbstständiger verstanden hat. Davon abgesehen: wenn ich für meinen Arbeitgeber, meine Zeit als Selbstständiger ist vorbei, Dinge für Kunden tue, wird das mit 120 € die Stunde abgerechnet. Ohne Steuer. Das wiederum sehen viele nicht, weil das Dienstleistungen sind, die an andere Firmen und nicht an Privatleute verkauft werden.

  9. Danke Patrick für diesen Beitrag!
    Sehr gut aufgelistet – ein wesentlicher großer Kostenpunkt wurde noch nicht aufgelistet. Bzw. falls ja dann war ich blind :-).
    Das Equipment!
    Kamera + Back-Up Kamera, Objektive, unzähligem Zubehör, Blitzsysteme, Speicherkarten und der Pflege- & Reparturkosten.
    Das muss auch miteinkalkuliert sein, somit sinkt der Stundenlohn nochmal :-).

    • Eben drum. Wenn ich mir anschaue, was da bei einigen Fotografen zusammen kommt … Das muss ja auch jemand bezahlen, 20.000 € an Equipment sind bei Profis keine Seltenheit.

  10. Endlich! Gute Diskussion – basierend auf geben und nehmen.
    Hauptsache so eine Fotosession findet in guter Atmosphäre statt und die Leute haben ihre Freude daran. Das kann eine Hochzeit sehr bereichern und bleibt noch lange in Erinnerung. Was bringt`s wenn der Fotograf billig ist und am Ende kommen keine brauchbaren Bilder raus? Ein „teuerer“ Fotograf ist natürlich auch keine Garantie für eine Glanzleistung. Wichtig ist, daß die „Chemie“ zwischen den Partner stimmt, dann sind die Chancen groß daß die Bilder gelingen.

  11. Ich stimme in vielen Punkten den Blog Eintrag zu.
    Leider wollen viele Pärchen immer nur am Fotografen sparen, im Endeffekt sind es dann auch die Falschen Kunden.

    Es wäre so wie wenn man für 6€ Stundenlohn arbeiten müsste, aber das verstehen viele nicht.

  12. Toller Artikel! Schön zusammengefasst, auch wenn es einige trotz der Transparenz nicht zu schätzen wissen … na ja.

    Mir ist aber noch ein Fehler aufgefallen: In der Auflistung sind 2. und 5. quasi identisch, dafür fehlen die paar 1000 € für das Equipment :)

  13. Es ist auch eine Frage der Wertigkeit, wie die Braut die einzelnen Punkte ihrer Hochzeit plant.
    Wenn der Fotograf nur einen Bruchteil des Brautkleids oder gleichviel wie die Drucksorten (Einladungen, Namensschilder, Menükarten, Danke-Billets, …) kosten soll wird auf die Nachhaltigkeit, den Erinnerungswert der Fotos vergessen.
    Es ist aber auch alles eine Frage des Budgets. Wenn nur eine gewisse Summe zur Verfügung steht bleibt dem Brautpaar nichts anderes übrig als sich nach der Decke zu strecken.
    Die Frage ist: Möchte ich wunderschöne Erinnerungsfotos? Was sind sie mir wert? Will ich dafür lieber bei anderen Details zurückschrauben?

  14. Interessanter Beitrag – gut erläutert :)

    Völlig egal was ein Dienstleister anbietet und ein Kunde kauft, es geht immer um ein Werte-Verhältnis. Es kommt auch nicht darauf an wie gut die Bilder eines Selbständigen („Profis“) und die eines Amatuers sind, wenn ein Kunde etwas nicht kauft (oder es ihm zu teuer ist) ist entweder der Wert der Dienstleistung nicht klar kommuniziert worden und/oder hat der Verkäufer sich schlecht vermarktet.

    Ein Preis spiegelt immer einen Gegenwert dar, ich glaube es hilft oft das aus dieser (zugeben, sehr nüchternen) Perspektive zu sehen. Ein Kunde gibt nunmal nur so viel Geld aus, wie ihm die Leistung wert ist – und da gibt es von ganz unten bis ganz oben alles.

    Und noch etwas: Ob ein Fotograf einen hohen Preis durchsetzen kann, hängt nur zu einem geringen Teil an den Fotos, vielmehr sind es Dinge wie verkäuferisches Geschick.

    Viele Grüße,
    Stefan

  15. Hallo Stefan,

    vielen Dank. Hinsichtlich der Vermarktung gebe ich Dir Recht.
    Daß hingegen die Durchsetzung eines hohen Preises überwiegend von verkäuferischem Können abhängt statt von bewegenden Fotos, halte ich für falsch!
    Aufgrund der Aussagekraft richtig guter Fotos kommen Paare doch erst auf Fotograf X oder Y; das ist also Teil des Brandings und das größte Verkaufsargument, wenn es sie mitnimmt.

    Viele Grüße
    Patrick

  16. Danke für den super Artikel. Ich kann über die Kommentare Teilweise nur den Kopf schütteln. Es fehlt wirklich sehr vielen das Verständnis was es heißt selbstständig zu sein und mit was für Kosten das ganze verbunden ist. Das einfach die Hälfte des Geldes an den Staat geht und das damit auch noch nicht ein Cent für die Rente oder die Krankenkasse gezahlt wurde.

    Ein guter Fotograf ist sein Geld wert und wer dies Geld nicht zahlen möchte, bekommt eben auch nur die entsprechende Qualität. Viele Leute sehen aber die Unterscheide in der Qualität nicht, so scheint es mir jedenfalls. Für ein Kleid was man einmal an hat werden tausende Euros ausgegeben genau so für die Torte die so schnell weg ist. Die Bilder die aber für immer eine Erinnerung bleiben gibt man jedoch so wenig wie möglich aus. Das soll mal einer verstehen,…

    Wer außerdem glaubt das Handwerk des Fotograf mal eben zu lernen und umschulen zu können, dem sei gesagt das alles nicht so einfach ist, wie es klingt. Man braucht wie in allen Berufen sehr viel Erfahrung und Praxis um gute Bilder zu machen und das geht garantiert nicht in ein oder zwei Jahren. Jahrelange Erfahrung und das richtige Auge sind notwendig. Eine gewisse Ausrüstung muss für Hochzeiten gekauft werden. Eine Erstinvestition von 10.000€ für Kameras und Objektive ist locker fällig wenn man es anständig angehen möchte. Man bedenke noch die laufenden Kosten für Bildbearbeitungssoftware, Hosting der Webseite und was alles an Marketingaktivitäten notwenig ist. Alleine seinen Bildstil zu finden dauert ewig und braucht jahrelange Erfahrung. Für all das zahlt man und dann eben auch einen angemessenen Preis. Zum Glück gibt es noch Kunden auf dieser Erde, die dies so sehen und zu schätzen wissen.

    Cheers

    Dennis

  17. Guter Artikel, der mir als Profi-DJ aus dem Herzen spricht. Ich selber kenne diese Argumention nur zur Genüge und als selbstständiger DJ ist es fast noch schwieriger, da jeder „von der Bushaltestelle“ denkt er könne auflegen und für kleines Geld so den Markt kaputtzumachen. Problem ist auch, der Kunde hat am Ende nichts in der Hand (Also keine Bilder) und somit ist oft auch das Argumentieren nicht einfach. ABER, Qualität und Ausdauer setzen sich durch!

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