Warum Scherben Glück bringen, wann ihr poltert, wer organisiert und zahlt, was zerschlagen werden darf und worin der Unterschied zum Junggesellenabschied liegt – alles zum Polterabend.
Der Polterabend ist ein alter Hochzeitsbrauch: Familie, Freunde und Nachbarn feiern mit dem Brautpaar und zerschlagen dabei altes Porzellan, denn Scherben sollen Glück bringen. Anschließend kehrt das Brautpaar die Scherben gemeinsam zusammen. Traditionell fand der Polterabend am Vorabend der Hochzeit statt, heute meist ein bis zwei Wochen vorher. Erlaubt sind nur Porzellan, Steingut und Keramik – Glas und Spiegel sind tabu.
Der Polterabend gehört zu den ältesten Hochzeitsbräuchen im deutschsprachigen Raum. Immer häufiger hört man in diesem Zusammenhang aber auch das Wort Junggesellenabschied – und bei uns in Österreich sagen viele zum Junggesellenabschied sogar „poltern“. Sind Polterabend und Junggesellenabschied also dasselbe? Hier lest ihr, was hinter dem Brauch steckt, wie ihr ihn feiert und was ihr beachten solltet.
Der Name kommt von „poltern“, also laut krachen. Und genau darum geht es: Die Gäste werfen altes Geschirr auf den Boden, bis es in Scherben liegt. Der Lärm soll nach altem Glauben böse Geister vertreiben und für immer von der Ehe fernhalten. Die Scherben wiederum sollen dem Brautpaar eine lange und glückliche Ehe bescheren – Scherben bringen ja bekanntlich Glück.
Danach kehrt das Brautpaar die Scherben gemeinsam zusammen. Das ist der schönste Teil der Symbolik: Ihr zeigt, dass ihr Herausforderungen als Team meistert. Der Brauch reicht laut ERGO bis ins späte Mittelalter zurück.
Bei uns in Österreich werden Polterabend und Junggesellenabschied oft in einen Topf geworfen. Wer hier „poltern geht“, feiert meist seinen Junggesellenabschied – und ein Polterwochenende ist ein JGA-Wochenende mit den besten Freund:innen. Historisch sind das laut Österreich Institut aber zwei verschiedene Bräuche: Beim Polterabend kamen Familie und Freunde am Abend vor der Hochzeit zusammen und zerschlugen Geschirr, das „Poltern“ gehörte dagegen zum Junggesellenabschied. In Burgenland und Kärnten wird Geschirr übrigens bis heute gern zerschlagen – dort allerdings nach der Hochzeit.
Ursprünglich wurde am Abend vor der kirchlichen Trauung gepoltert. Weil niemand müde und verkatert vor den Altar treten möchte, feiern die meisten Paare heute ein bis zwei Wochen vor der Hochzeit oder am Wochenende davor. Zu weit vorverlegen solltet ihr den Polterabend aber nicht – er gehört in die aufregende Zeit kurz vor dem großen Tag. Feiert ihr Polterabend und Hochzeit an einem Tag, spricht man auch von einer Polterhochzeit.
Startet am besten am späten Nachmittag, damit das Poltern nicht in die Nachtruhe fällt.
Traditionell richtet das Brautpaar den Polterabend selbst aus, oft gemeinsam mit den Eltern und im Garten oder Hof der Brauteltern. Die Kosten tragen meist das Brautpaar oder die Eltern. Immer öfter übernehmen auch die Trauzeugen die Organisation.
Ein Polterabend muss nicht teuer sein: Für eine kleine private Feier rechnet ERGO mit etwa 10 bis 25 Euro pro Gast. Viele Gäste bringen gern einen Salat oder Kuchen fürs Buffet mit, und eine Spardose für die Getränkekasse ist ebenfalls üblich.
Früher gab es für den Polterabend keine Einladungen im eigentlichen Sinn: Der Termin sprach sich herum, und wer mitfeiern wollte, kam einfach vorbei. Heute laden die meisten Paare ein – oft ist der Kreis größer als auf der Hochzeit selbst. Typische Gäste sind:
Die Einladung könnt ihr an eure Hochzeitspapeterie anpassen – Tipps dafür findet ihr bei der perfekten Einladung. Kreative Idee: Beschriftet einen alten Teller mit euren Namen, Datum, Uhrzeit und Treffpunkt und überbringt ihn als Einladung. Den Teller dürfen die Gäste dann auf eurem Polterabend werfen. Schreibt außerdem dazu, dass bitte kein Glas mitgebracht wird.
Erlaubt sind nur Porzellan, Steingut und Keramik: alte Teller, Tassen, Schüsseln oder Blumentöpfe aus Ton. Auf keinen Fall gehören Glas und Spiegel dazu – Glas birgt eine große Verletzungsgefahr, und ein zerbrochener Spiegel bringt nach altem Aberglauben sieben Jahre Pech.
So poltert ihr sicher:
Einen festen Dresscode gibt es meist nicht. Weil viele Polterabende draußen stattfinden, richtet sich das Outfit nach Wetter und Ort: Jeans und Hemd oder ein lässiges Sommerkleid sind völlig in Ordnung. Wichtig sind feste Schuhe – wegen der Scherben. Als Brautpaar wählt ihr am besten bequeme Kleidung, die beim Kehren auch etwas abbekommen darf. Manche Freundeskreise tragen gemeinsame T-Shirts.
Ein Geschenk ist beim Polterabend kein Muss. Die meisten Gäste bringen Geschirr zum Poltern mit, dazu vielleicht einen kleinen Glücksbringer wie Brot und Salz, ein Hufeisen oder eine Pflanze. Willkommen ist auch ein Beitrag zum Buffet oder zur Getränkekasse; große Geldgeschenke wie zur Hochzeit sind dagegen unüblich. Viele Ideen findet ihr bei den Polterabend-Geschenken, und wer doch Geld schenken möchte, wird beim Geldgeschenk zur Hochzeit fündig.
Der größte Unterschied: Beim Polterabend feiert das Brautpaar die bevorstehende Ehe gemeinsam mit Familie und Freunden. Beim Junggesellenabschied feiern Braut und Bräutigam getrennt, jede:r mit den besten Freund:innen. Den Junggesellenabschied organisieren meist die Trauzeug:innen und Freunde – mit Mottos, T-Shirts, Spielen und Ausflügen. Ideen findet ihr beim Junggesellenabschied und beim Junggesellinnenabschied.
Eine Feier vor der Hochzeit, bei der Familie und Freunde altes Porzellan zerschlagen. Die Scherben sollen dem Brautpaar Glück bringen, und das Paar kehrt sie gemeinsam zusammen.
Traditionell am Vorabend der Hochzeit, heute meist ein bis zwei Wochen vorher oder am Wochenende vor der Hochzeit.
Meist das Brautpaar oder die Eltern. Gäste tragen oft mit Salaten, Kuchen oder einer Spende für die Getränkekasse bei.
Glas und Spiegel. Erlaubt sind nur Porzellan, Steingut und Keramik.
Altes Geschirr zum Poltern und gern einen kleinen Glücksbringer oder einen Beitrag zum Buffet.
Nein. Beim Polterabend feiert das Paar gemeinsam mit Familie und Freunden, beim Junggesellenabschied getrennt mit den besten Freund:innen. In Österreich sagt man zum Junggesellenabschied aber oft „poltern“.
Porzellan gehört in den Restmüll, nicht ins Altglas. Größere Mengen nimmt der Wertstoffhof an.
Beitragsbild: Herzflimmern

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Zuletzt aktualisiert am 02.11.2026