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Brauch in Österreich: Hochzeitslader – was ist das?

von Sissi am 04.10.2019

Der Hochzeitslader wurde früher bei jeder Hochzeit gerufen, es ist ein alter Hochzeitsbrauch, der in Bayern oder Österreich in ländlichen Gegenden auch heute noch eingesetzt wird. Früher kam er sogar zu der möglichen Braut und schlug einen Bräutigam vor. Er verkuppelte also das Brautpaar. Das ist heutzutage natürlich nicht mehr so, aber es ist nach wie vor ein großer Spaß.

Österreichischer Hochzeitsbrauch - der Hochzeitslader

Der Hochzeits-Lader muss zuerst die Baut einladen, die sich natürlich ziert und der Hochzeitslader viel Überzeugungsarbeit leisten muss. Sie übergibt ihm dann eine Liste der einzuladenden Personen und einen Rosenholzstock, der mit bunten Bändern geschmückt ist. Rot steht für die Liebe, Blau für die Treue, Grün für die Hoffnung und Weiß für die Jungfräulichkeit. Meist hat der Hochzeitslader noch einen kleinen Rosmarinzweig, der alle bösen Geister vertreiben soll.

Hochzeitslader

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Am Hochzeitstag

Die Aufgaben vom Hochzeitlader sind am Hochzeitstag noch lange nicht beendet, denn traditionell werden die Hochzeitsgäste und das Brautpaar auf dem Hof der Eltern quasi mit einer Blaskapelle hereingespielt. Dazu ist natürlich eine Musikkapelle notwendig und alles wird vom Lader gut koordiniert. Wenn alle Gäste mit Speis und Trank gut versorgt sind, verabschiedet er praktisch das Brautpaar von den Eltern. Das Brautpaar bedankt sich also für die schöne Kindheit und die wunderbare Jugend und eben für alles, was die Eltern bis dahin für sie getan haben. Dann bittet das Paar um den Segen der Eltern. Jetzt wird ein Kreuz mit Weihwasser auf die Stirn gegeben und vorher spricht der Lader natürlich noch ein Gedicht. Danach sprechen alle das „Vater Unser“. Dann stellt der Lader auch den Hochzeitszug zur Kirche auf. Nachdem die Trauung vollzogen ist, begleitet der Lader zur Hochzeit das frisch gebackene Ehepaar aus der Kirche, wo bereits Freunde und Familienmitglieder warten, Sie sprechen Glückwünsche aus und werfen Reis auf das Brautpaar. Dieses Ritual steht für Fruchtbarkeit des Ehepaares. Viele Gäste stehen auch Spalier, damit Hindernisse im Alltag leicht überwunden werden können.

Dann fahren alle zusammen in die Location in der die Feier stattfinden soll. Ist jedoch ein Elternteil der Braut oder des Bräutigams bereits verstorben, geht der ganze Hochzeitszug vorher zum Friedhof und spricht ein Gebet.

Die Feier

Nun kann die Hochzeitsfeier beginnen, doch der Lader bespricht auch mit dem Wirt, wann der Brauttanz stattfinden soll und wann die Reden gehalten werden dürfen. Außerdem muss er die genaue Zahl der Hochzeitsgäste feststellen, um dem Wirt die Abrechnung zu erleichtern. Natürlich ist der Lader auch dafür verantwortlich, dass bei den Gästen nie Langeweile aufkommt, er sorgt also für die Hochzeitsspiele und verbreitet einfach gute Stimmung.

Nach der Heirat

Am Tag nach der Hochzeit wird er zur „Nachhochzeit“ eingeladen, es wird zu Mittag gegessen und beim Wirt wird die Hochzeitsfeier bezahlt.

Heutzutage wird ein Lader zur Hochzeit nur noch selten eingesetzt, meist wird ja die Einladung zur Hochzeit persönlich überbracht oder es werden Karten verschickt. Heute ist der Lader eigentlich nur noch zum Spaß gedacht. Aber der Lader zur Hochzeit ist wieder stark im Kommen, die Hochzeitspaare buchen ihn selbst, er hilft bei den Vorbereitungen und jeder ist froh, wenn er durch Gstanzel und lustige Gedichte die Hochzeitsfeier am Laufen hält. Es ist ein alter Hochzeitsbrauch, aber er kommt wieder ganz groß in Mode.

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