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Freie Trauung: Wie man die ideale Rede gestaltet

Ein GASTBEITRAG von Frank Rosenbauer - Hochzeitsredner auf freien Trauungen (Link am Ende des Beitrags): Eine Freie Trauung kann so wunderschön sein ..! Stell dir vor, du heiratest unter einem Wasserfall, auf einer abgelegenen Waldlichtung – oder an einem sonnigen warmen Strand … Du bist frei; du heiratest, wo du willst, wie du willst und wann du willst! Deine Hochzeitsgäste sind allerdings auch frei … die Zeremonie richtig ernst zu nehmen oder nicht. Was kannst du tun? Du erreichst sehr viel mit den richtigen Hochzeitsreden während der Freien Trauung! Als Braut, Bräutigam oder Hochzeitsgast sorgst du mit der passenden Rede dafür, dass die Zeremonie noch würdiger wirkt und anerkannt wird von den Gästen. Ich habe als professioneller Redenschreiber bereits über 3.500 Reden geschrieben und erkläre dir hier, wie dir das gelingt.

Wie gestalte ich die Rede für eine freie Trauung

Freie Trauungen boomen und werden wohl bald das Normalste der Welt sein. Doch heute gehörst du immer noch zu den Pionieren, wenn du eine wagst. Seien wir ehrlich: Für viele deiner Hochzeitsgäste ist es Neuland und zumindest gewöhnungsbedürftig. Deine erzkatholische Tante Erna tendiert womöglich dazu, deine Hochzeit gar nicht Ernst zu nehmen, wenn du das Hochzeitsgelübde aus „Braveheart“ nachspielst, altkeltische Beschwörungsformeln murmelst – oder genau vor jenem Baumarkt-Regal heiratest, wo du deinen Liebsten zwischen Vierkantdübeln und Ringholzschrauben kennengelernt hast.

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Es wurde schon in Küchen geheiratet, zwischen Fabrikruinen und auf Mülldeponien. Mit einer herkömmlichen Trauung hast du es leichter, dass deine Hochzeitsgäste die Zeremonie für "voll nehmen". Standesbeamte oder örtliche Pfarrer nimmt so ziemlich jeder Ernst, sie haben ihre Autorität sozusagen von Haus aus eingebaut. Bei deiner Freien Trauung wird ein Hochzeitsredner auftreten. In der Regel ist es der Zeremonienmeister selbst. Er ersetzt mit seiner Hochzeitsrede die Traurede des Standesbeamten oder die Predigt des Priesters. Genau diese Rede ist der erste entscheidende Ansatzpunkt für dich:

  1. Die Ansprache des Hochzeitsredners bei der Freien Trauung thematisch aufgreifen!

Wenn der Hochzeitsredner gut ist, gibt er seiner Rede ein bestimmtes Thema, das im Laufe der Rede immer wieder auftaucht. Das ist der Rote Faden, wie ein Refrain in einem Lied. Dieses Thema wird der Hochzeitsredner – wenn er wirklich gut ist – individuell festlegen. Und zwar, nachdem er Informationen über das Brautpaar gesammelt hat. Beispiel:

Der Hochzeitsredner fragt das Brautpaar vorab, ob es ein gemeinsames Hobby hat? Nehmen wir an, die Antwortet lautet: „Ja, wir mögen beide Bergwandern“.

Was tut nun der Zeremonienmeister in seiner Rede zur Freien Trauung? Er vergleicht die Ehe vielleicht mit einer gemeinsamen Bergwanderung. Er sagt nun Sätze wie:

„Weil ihr beide begeisterte Bergwanderer seid, wisst ihr schon, dass man manchmal auf steile Steigungen trifft. Und ihr wisst auch, wie ihr diese Steigungen bewältigen könnt – gemeinsam. In der Ehe ist es ähnlich wie bei einer Bergwanderung. Und auch in eurer Beziehung habt ihr in den vielen Jahren, seit ihr in Liebe ein Paar seid, schon so manche Steigungen zusammen gemeistert. Das wird euch sicher auch in Zukunft gelingen, denn ihr seid ein tolles Team – am Berg und im Leben.“

Versuche nun in deiner Rede, an dieses Thema anzuknüpfen. Sag auch du ein paar Sätze, warum eine Bergwanderung Ähnlichkeiten mit einer Ehe hat. Warum? Du bestätigst damit den Hochzeitsredner in seiner Argumentation - und gibst seiner Rede dadurch mehr Gewicht! Weil die Hauptrede des Zeremonienmeisters sehr bedeutend ist für die gesamte Hochzeitsfeier, wertest du damit die Freie Trauung auf und zeigst, dass du das Ganze sehr ernst nimmst. Das überträgt sich auf die anderen Hochzeitsgäste.

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Deshalb der Tipp, wenn du bei einer Freien Trauung redest: Frag den Zeremonienmeister, was er in seiner Rede plant. Klappt das nicht, weil er zum Beispiel seine Rede erst in letzter Minute vorbereitet? Dann nutze den zweiten Trick:

  1. Greife einen Teil des Zeremoniells auf!

Freie Trauungen haben meistens Elemente, die du zum Beispiel in einem katholischen Hochzeitsgottesdienst eher selten findest. Schon ein Klassiker ist etwa das Handfasting, auch als „Heiden“- oder „Hexenhochzeit“ bekannt: Die Hände des Brautpaars werden durch ein Seil o. Ä. miteinander verbunden. Greife so etwas in deiner Hochzeitsrede auf. Sag einfach in deinen eigenen Worten, warum dir dieses symbolische Ritual gefällt und was es nach deiner Meinung bedeutet. Damit unterstützt du die Besonderheit der Freien Trauung und erklärst auch noch dem letzten Hochzeitsgast, was damit gemeint ist. Auch hierfür brauchst du natürlich Informationen. Frag vorher nach, was genau während der Zeremonie passieren wird. Also welche Rituale z. B. geplant sind. Schau dir die einzelnen Elemente an und überlege, zu welchem Programmpunkt dir etwas einfällt.

Informiere dich auch, zu welchem Zeitpunkt deine Rede geplant ist im Ablauf. Du musst ja zum Beispiel wissen: Kommt das Handfasting vor oder nach deiner Hochzeitsrede? So kannst du dann entweder sagen „Wir haben eben das Handfasting erlebt“ oder „Wir erleben gleich ein wunderbares Ritual …“ In beiden Fällen sprichst du dann natürlich sehr lobend und positiv über das Ritual – und wertest somit die gesamte Freie Trauung auf!

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  1. Sage etwas zum Ort der Freien Trauung

Du kannst dich nicht mehr rechtzeitig abstimmen mit dem Zeremonienmeister? Dann hast du noch eine dritte Möglichkeit: Gehe in deiner Hochzeitsrede auf den Ort der Trauung ein! Du weißt ja schon lange im Voraus, ob sie zum Beispiel in einem Museum oder auf einem Fußballplatz stattfindet. Stell dir zur Vorbereitung deiner Hochzeitsrede nun zwei Fragen:

  1. Warum wurde dieser Ort eigentlich ausgewählt?
  2. Inwiefern kann er symbolisch sein für eine lange und glückliche Ehe?

Die erste Frage kannst du sicherlich leicht beantworten. Die zweite Frage ist natürlich schon schwieriger. Mit ein bisschen Nachdenken kommen dir aber bestimmt Ideen. Ein Museum mit seinen alten Ausstellungsstücken zum Beispiel steht ja dafür, dass manche Dinge eben „alle Zeiten überdauern“. Und was könnte ein Fußballplatz symbolisieren? Da geht es oft in die Verlängerung. Wünsch in deiner Hochzeitsrede „eine ewige Verlängerung für die Liebe“ o. Ä. Mit derartigen Anspielungen und Vergleichen unterstützt du die Freie Trauung ganz enorm. Du verdeutlichst die Sinnhaftigkeit der gesamten Veranstaltung und trägst deinen Teil dazu bei, dass die Freie Trauung als "echte" Hochzeit von allen Gästen angenommen wird. Last but not least wirst du mit deiner Hochzeitsrede auch sehr gut ankommen. Denn jeder merkt: Du hast dir Mühe gegeben, wirklich individuelle und persönliche Worte zu finden.

Text: Frank Rosenbauer

Fotos im Beitrag: Monique De Caro

Beitragsbild: Loud Cinematography aus der Ibiza Traum-Hochzeit

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