Brautentführung

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Brautentführung – Tradition die Spaß macht

Hochzeitsfeiern sind nur in den wenigsten Fällen langweilig – und für das Brautpaar ohnehin nicht. Zur Unterhaltung der Gäste und zur Verbreitung guter Stimmung tragen meist ein buntes Programm aus Traditionen, Spielen, Reden und ähnlichem bei, die der Hochzeitsfeier einen ganz individuellen Charakter verleihen. Besonders beliebt sind hierbei auch traditionelle Bräuche, von denen es je nach Region eine fast unerschöpfliche Menge gibt. Die Brautentführung, auch als Brautstehlen oder Brautverziehen bezeichnet, ist dabei ein Hochzeitsbrauch, der hauptsächlich in Süddeutschland und Österreich weit verbreitet ist und auf eine lange Geschichte zurückblickt. In anderen Regionen ist er dagegen eher ungebräuchlich. Plant ihr also eine Brautentführung für eine Hochzeit ist es äußerst wichtig, vorher zu klären, wie das Brautpaar zu diesem Hochzeitsbrauch steht.

Wie funktioniert die Brautentführung?

Das Braut- oder Bräutigamstehlen existiert in verschiedenen Varianten und mit zahlreichen regionalen Unterschieden. Der grundsätzliche Ablauf ist aber in den meisten Fällen gleich 

  1. Die Trauzeugen, oft gemeinsam mit weiteren Freunden des Brautpaares, entführen die Braut von der Hochzeit. Dies sollte so geschehen, dass der Bräutigam währenddessen kurz abgelenkt ist - möglicherweise durch einen weiteren Komplizen. Häufige Traditionen hierbei sind die Entführung während eines Tanzes und, insofern das unbemerkte Entführen der Braut gelungen ist, der darauffolgende Tanz des Bräutigams mit einem als Braut verkleideten Besen. Mancherorts ist es außerdem Brauch, auch den Brautstrauß mit zu entführen. 
  2. Die Entführer bringen die Braut in eine Gaststätte oder Kneipe - in der sie idealerweise bereits bekannt sind - und trinken dort mit ihr. Dann ziehen sie weiter, wobei sie stets die Zeche offen lassen. Diese muss im Anschluss der Bräutigam bezahlen. Dabei wird dem Wirt natürlich die Anschrift hinterlassen, für den Fall, dass der Bräutigam in dieser Kneipe nicht auftauchen sollte. 
  3. Der Bräutigam, der natürlich inzwischen bemerkt haben sollte, dass seine Liebste verschwunden ist (spätestens der Tanz mit dem Besen sollte auch den unaufmerksamsten Bräutigam auf seine fehlende Braut aufmerksam gemacht haben), muss sich auf die Suche nach ihr begeben. Dabei wird er oft von weiteren Freunden begleitet. Bei sehr kleinen Hochzeitsgesellschaften begleiten ihn manchmal sogar alle Gäste. Sein Ziel ist es, die Braut zu finden und auszulösen. Zu diesem Zweck werden ihm kleine Hinweise hinterlassen, oder aber ein Komplize der Entführer lenkt ihn unauffällig in die richtige Richtung. 
  4. Hat der Bräutigam die offenen Zechen bezahlt und schlussendlich seine Angetraute wiedergefunden, muss er sich fast immer noch einigen Aufgaben stellen, um sie zu guter Letzt wieder in die Arme schließen zu können. Das können Hochzeitsspiele oder lustige Rätsel sein. Sehr verbreitet ist zudem, dass er seiner Braut drei Wünsche erfüllen muss, bevor er mit ihr und der Hochzeitsgesellschaft wieder zur eigentlichen Feier zurückkehren kann. 

Woher kommt dieser Brauch des Brautstehlen?

Das Brautstehlen eine so alte Tradition, dass es heutzutage nur noch Mutmaßungen darüber gibt, aus welchem Grund sie entstand. Zu den zahlreichen Theorien gehören zum Beispiel, dass damit der Bräutigam daran erinnert werden sollte, gut auf seine Braut aufzupassen und sie fortan zu beschützen. Eine weitere Option ist die Möglichkeit, dass der Brauch dem mittelalterlichen "Recht der ersten Nacht" entstammt, das dem Gutsherren das Vorrecht auf den ersten Geschlechtsverkehr mit der Frischvermählten zugestand. Eine weitaus schönere Theorie hingegen besagt, dass die Befreiung der Braut einen Liebesbeweis darstellt, bei dem die Intensität der Liebe in direktem Verhältnis zur Zeitdauer der Rettung interpretiert wird. 

In jedem Fall ist das Brautstehlen eine bunte und aufregende Tradition, die jede Hochzeit mit viel Spaß für alle Beteiligten bereichern kann.